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Ebook-Zukunft

Titel: dliste, f√ľr Joachim Beigel, abcDruck Heidelberg

Das eBook kommt nur schleppend voran. Neben dem pBook - also dem Papierbuch - spielt es keine große Rolle. Man hat lieber eine mehr oder weniger dicke Schwarte in der Hand. Dabei ist der eReader noch nicht einmal Voraussetzung. Auch mit einem Tablet, einem Smartphone, einem Net- oder Notebook kann man eBooks lesen. Die erforderliche Software gibt es kostenlos.

Ein eInk-Reader hat zwei Vorteile: Die Lesbarkeit ist bei allen Lichtverhältnissen sehr gut. Und der Stromverbrauch ist minimal, so dass mit einer Aufladung wochenlang gelesen werden kann. Denn Strom wird nur beim Blättern gebraucht (wenn die Hintergrundbeleuchtung nicht eingeschaltet ist).

Die Nachteile sind (noch): schwache Rechnerleistung und unzureichende Kompatibilit√§t zum Standard (epub2 und epub3). Auf jedem Reader gibt es eine vom Original abweichende Darstellung, so dass man zur Qualit√§tskontrolle auf den Uralt-Reader Adobe Digital Editions angewiesen ist, der seine Marktposition mit dem DRM-Kopierschutz sichert. Eine neuere Alternative zum ADE ist der Bluefire-Reader (f√ľr Mobiles und PC).

Es √ľberrascht allerdings, dass eBooks viel √∂fter mit dem Tablet gelesen werden. Der deutlich h√∂here Stromverbrauch wird also hingenommen. Das Tablet als Allzweckwaffe wird deshalb dem eReader mit eInk-Technik sehr wahrscheinlich den Garaus machen.

Das ist nat√ľrlich nicht das Ende des eBooks, das heute in zwei verschiedenen Formaten auf dem Markt ist: Amazons azw3 (vormals mobi) und epub. Beide Formate basieren auf XHTML/HTML und k√∂nnen legal und (bei Kopierschutz) illegal in das andere Format konvertiert werden.

Ein Erfolgshindernis f√ľr das eBook ist die schlechte typografische und funktionale Gestaltung der gro√üen Mehrheit. Selbst gro√üe Verlage liefern mangelhafte Ware, so dass das voreingestellte Design am eReader ge√§ndert oder gar abgestellt werden muss, was in allen Leseger√§ten m√∂glich ist. Somit ist nur eine Gestaltung empfehlenswert, die eine optimale Lesbarkeit und Funktionalit√§t bereitstellt: bei Silbentrennung, Inhaltsverzeichnis, Fu√ünoten, Index und Abbildungen u.a.. Da Seitenumbruch von der Schriftgr√∂√üe abh√§ngt, braucht das eBook alle Freiheiten.

Weil der leistungsschwache und monochrome eReader am Markt mehr und mehr eine untergeordnete Rolle spielt, sollten eBooks sich nicht auf ihn fokussieren. Damit unterfordert man alle anderen Leseger√§te und verzichtet auf Attraktivit√§t. Ideal w√§re nat√ľrlich die parallele Auslieferung einer Monochrom- und einer Colorversion in einem eBook, was herstellungstechnisch unproblematisch ist.

Anmerkung: Die Formatierungssprache CSS (Cascading Style Sheets) bietet √ľbrigens alle M√∂glichkeiten der Anpassung an Displaygr√∂√üen. Dies ist auch ein Hinweis auf die systembedingte Trennung von Inhalt und Form. Alle Bestandteile eines Buchs wie z.B. √úberschriften, Flie√ütext, Zitate, Fu√ünoten, Abbildungen, Bildunterschriften usw. werden mit spezifischen Anweisungen versehen, die zentral definiert sind. Diese Verfahrensweise ist nicht eBook-typisch, sondern seit langem Standard beim Publizieren. Deshalb √ľberrascht es nicht, dass man einen mit dem Programm InDesign formatierten Buchtext (theoretisch) auch als eBook ausgeben kann.