eBooks gehört (trotzdem) die Zukunft


Cover Dietmar Liste

(für Joachim Beigel)

Das eBook kommt nur schleppend voran. Neben dem pBook - also dem Papierbuch - spielt es keine große Rolle. Trotz günstiger Gerätepreise um die 100 Euro scheut die große Mehrheit der Leser die Anschaffung eines speziellen eReaders. Man hat ganz konventionell lieber eine mehr oder weniger dicke Schwarte in der Hand. Dabei ist der eReader noch nicht einmal Voraussetzung. Auch mit einem Tablet, einem Smartphone, einem Net- oder Notebook kann man Bücher lesen. Die erforderliche Software gibt es sogar kostenlos.

Der eReader hat zwei Vorteile: Die Lesbarkeit ist bei allen Lichtverhältnissen sehr gut. Und der Stromverbrauch ist minimal, so dass mit einer Aufladung wochen- oder gar monatelang gelesen werden kann.

Die Nachteile sind (noch): schwache Rechnerleistung und unzureichende Kompatibilität zum Standard (epub2 und epub3). Auf jedem Reader gibt es eine vom Original abweichende Darstellung, so dass man zur Qualitätskontrolle auf den Uralt-Reader Adobe Digital Editions angewiesen ist, der seine Marktposition mit dem DRM-Kopierschutz sichert. Eine neuere Alternative zum ADE ist der Bluefire-Reader (für Mobiles und PC).

Und so verwundert nicht, dass eBooks viel öfter mit dem Tablet gelesen werden. Der deutlich höhere Stromverbrauch wird also hingenommen. Das Tablet als Allzweckwaffe wird deshalb dem eReader mit eInk-Technik sehr wahrscheinlich den Garaus machen.

Das bedeutet natürlich nicht das Ende des eBooks, das heute in zwei verschiedenen Techniken auf dem Markt ist: Amazons azw3 (vormals mobi) und epub. Beide Formate basieren auf XHTML/HTML und können legal und (bei Kopierschutz) illegal in das andere Format konvertiert werden.

Ein Erfolgshindernis für das eBook ist die schlechte typografische und funktionale Gestaltung der großen Mehrheit. Selbst große Verlage liefern mangelhafte Ware, so dass das voreingestellte Design am eReader geändert oder gar abgestellt werden muss, was in allen Lesegeräten möglich ist. Somit ist nur eine Gestaltung empfehlenswert, die eine optimale Lesbarkeit und Funktionalität bereitstellt: bei Silbentrennung, Inhaltsverzeichnis, Fußnoten, Index und Abbildungen u.a.. Da Seitenumbruch von der Schriftgröße abhängt, braucht das eBook letztendlich alle Freiheiten.

Weil der leistungsschwache und monochrome eReader am Markt mehr und mehr eine untergeordnete Rolle spielt, sollten eBooks sich nicht auf ihn fokussieren. Damit unterfordert man alle anderen Lesegeräte und verzichtet auf Attraktivität. Ideal wäre natürlich die parallele Auslieferung einer Monochrom- und einer Colorversion in einem eBook, was herstellungstechnisch unproblematisch ist.

Anmerkung: Die Formatierungssprache CSS (Cascading Style Sheets) bietet übrigens alle Möglichkeiten der Anpassung an Displaygrößen. Dies ist auch ein Hinweis auf die systembedingte Trennung von Inhalt und Form. Alle Bestandteile eines Buchs wie z.B. Überschriften, Fließtext, Zitate, Fußnoten, Bildunterschriften usw. werden mit spezifischen Anweisungen versehen, die zentral definiert sind. Durch die Änderung der Anweisungen werden alle Bestandteile geändert. Diese Verfahrensweise ist nicht eBook-typisch, sondern seit langem Standard beim Publizieren. Deshalb überrascht es nicht, das man einen mit dem Programm InDesign von Adobe formatierten Buchtext auch als eBook ausgeben kann.