Darum


Ich wohne am Rand von Berlin. Mit dem Fahrrad zu den Jazzclubs sind es zweimal mehr als 25 km. Zu weit für mich hin und vor allem zurück (um 2 Uhr nachts). Da ich eine Busstation vor der Haustür habe und eine Jahreskarte ÖPNV liegt es nahe, die Strecken zu teilen. Der langweilige Teil mit Bus und/oder Bahn, der interessantere mit dem Rad. Dafür hatte ich ein Klapprad gekauft, aber schnell gemerkt, dass das Klappen keinen Spaß macht. Als ich feststellte, dass bei meinem Auto der TÜV überfällig war, habe ich es verkauft. Einen Tag später fuhr ich in die Stadt (zu Bikes2Fold), um mir das Faltrad anzuschauen, das ich schon sehr lange im Kopf hatte. Weil ich sparen wollte, kaufte ich - nach einer kurzen Testfahrt - ein Vorjahresmodell. Gottseidank hatte es eine Macke. Und so kam ich am nächsten Tag zum aktuellen Brompton (2013), das bis heute nichts zu wünschen übrig lässt.

Da ich mehr über das Rad erfahren wollte, suchte ich ein Forum. Mit www.bromptonauten.de habe ich eins gefunden, das sich - wie der Name sagt - ausschließlich mit Brompton beschäftigt. Dort schreiben Fachleute, die mehr drauf haben als alle Fahrradprofis, die ich kennengelernt habe. Bei vielen Beiträgen kann ich nur Bauklötzer staunen, denn ich verstehe nichts. Aber auch auf der Suche nach simplen Problemlösungen bekommt man Hilfe. Dass es dabei Leute gibt, die alles besser wissen, nehme ich hin. Da ich niemandem was vormachen kann, lese ich fast nur. Hin und wieder wundere ich mich, dass man mit einem Rad viel mehr machen kann als fahren. Ich käme nie auf den Gedanken, mein Brompton als Hobby zu bezeichnen. Es fährt ... und gut so (wie ein User mal schrieb).

Ich falte das Brompton so schnell, dass Busfahrer staunen. Oft habe ich die Hülle mit Reißverschluss dabei, damit man nicht sieht, dass es ein Rad ist. Es geht manchmal auch als Akkordeon durch. Der Fahrkartenverkäufer auf der Fähre von Kladow nach Wannsee möchte fürs Rad kassieren, wenn ich es erst auf dem Dampfer falte. Um ihm einen (unnötigen) Gefallen zu tun, falte ich es direkt vor seinen Füßen.